Einen Berglauf zu absolvieren war nicht unbedingt auf meiner Bucket-List. Irgendwie hatte ich dann aber das Gefühl, dass mir das „normale“ Geradeauslaufen nicht ausreicht. Die Distanzen beim Joggen werden zwangsläufig länger, da man auch durch das regelmäßige Laufen schneller wird. Man möchte ja die Zeit auch nicht kürzen welche man unterwegs ist.
Nach dem Halbmarathon in Fischbach war ich fit genug um mich, gemäß der Parole „Höher, schneller, weiter“, etwas Größerem zu widmen. So habe ich mir den Arlberg-Montafon-Berglauf (T33) rausgesucht.
Im Sommer fand im atemberaubenden Montafon, einem Tal in den Vorarlberger Alpen, ein herausfordernder und landschaftlich beeindruckender Berglauf statt. Dieses traditionsreiche Event führte über eine Strecke von ca. 35 Kilometern und knapp 1000 Höhenmeter vom malerischen Silbertal in den Sportort St. Anton.
Training
Ich habe in den Wochen vor dem Berglauf immer wieder versucht auf meinen Laufstrecken Höhenmeter ztu sammeln. Leider musste ich feststellen, dass es gar nicht so einfach war auch nur annähernd auf 1000 Höhenmeter zu kommen, wenn man von der Haustüre aus starten wollte.
Von dort aus führte der Weg steil bergauf, durch dichte Wälder und über Almwiesen, bis zum höchsten Punkt auf [Höhe] Metern. Die atemberaubende Aussicht von oben belohnte die Läufer für ihre Anstrengungen, mit einem Panorama, das vom Tal bis zu den schroffen Gipfeln der umliegenden Berge reichte.
Meinen Hausberg, den Gehrenberg musste man da schon dreimal nach oben joggen um auf ca. 900 Höhenmeter zu kommen. Beim Pfänder war es da schon ein wenig einfacher, da man auf der einfachen Strecke schon auf ca. 600 Höhenmeter kam. Doch da musste man auch erstmal mit Auto oder Bahn anfahren. In den letzten beiden Wochen vor dem Lauf konnte ich mich noch ein wenig im Urlaub erholen bis ich den Berg nebenan entdeckte, welcher mir tatsächlich 800 Höhenmeter bot, beim Aufstieg.
Ich war nun fit genug um es über die 35 Km zu schaffen, die ca. 1000 Hm habe ich auch schon einmal geschafft, daher habe ich mich einigermaßen gut vorbereitet gefühlt für den Lauf Ende Juni.
Welche Ausrüstung nehme ich mit?
Natürlich kommt es auf das Wetter an. Bei unserem traumhaften Wetterbedingungen wollte ich so wenig wie möglich mitnehmen.

Die Anfahrt zum Start
Sehr früh am Morgen fuhr ich gemeinsam mit Timo, meinem Lauf- und Trainingspartner, mit dem Auto nach Bregenz. Dort konnten wir das Auto auf dem Strandbadparkplatz in der Nähe des Casinos und damit auch des Bahnhofs abstellen. Glücklicherweise gab es um 05:00 Uhr morgens noch keinen Stau und die Bahn in Österreich ist ebenfalls pünktlich gewesen. So konnten wir noch eine gute Stunde im Zug von Bregenz bis Schruns entspannen. In Schruns dann der Umstieg von der Bahn in den Bus in die Ortschaft Silbertal im Silbertal.

Die Anzahl an offensichtlichen Mitkompetitoren wuchs stetig und die Busse in Richtung Silbertal waren voll besetzt.

Am Startort angekommen konnten wir unsere Turnbeutel abgeben und Startnummern holen – alles ein wenig chaotisch – vor allem für uns, die wir das erste Mal dabei waren.

Kurz vor dem Start stellten sich die ganzen Läufer auf. Es waren alle Arten von Läufern anwesend. Von professionell aussehenden bis hin zu unspörtlich aussehenden Läufern war alles dabei. Nicht alle haben die Erwartungen, welche ihr Aussehen ihnen zugesprochen hat auch erfüllt. Jedoch zeigten alle Teilnehmer eine beeindruckende Ausdauer und Entschlossenheit, als sie nach den steilen Anstiegen und den kleinen Pfaden die Strecke bewältigt hatten.
Der Lauf
Nach dem Startschuss ging es wie wild los. Alle Läufer spurteten an diesem heißen Juni-Tag in Richtung St. Anton am Arlberg. Die Plätze der Strecke welche sich im Schatten befanden waren heiß begehrt. Nach zwei guten Kilometern auf einem breiten Waldweg ging es dann auch schon mit den Höhenmetern los. Erst noch flacher dann aber immer steiler. Ungefähr bei Km 6 ging es raus aus dem Wald und ein sehr steiles Stück Forststraße hinauf. Spätestens hier zog sich der Läuferpulk wie Kaugummi auseinander.

Die erste Verpflegungsstation bei Km 4 ließen wir noch links liegen die nächste bei Km 8 war dann schon interessanter für uns, nach dem steilen Anstieg. Kurz anhalten – trinken – eine Kleinigkeit essen – nochmal trinken – und weiter.
Die Forststraße züngelte sich vorbei an Almen und kleinen Waldstücken bis kein Baum mehr wuchs. Die Bergkiefern wichen und es wuchs nur noch Gras und Gebüsch. Selbst die Forststraße war nun zuende. Sie haben wir gegen einen Wanderpfad getauscht. Der Pfad schien lediglich von den Läufern zuvor angelegt worden zu sein, hier hieß es dann dem Vordermann hinterher. Wir hatten keine Zeit und Kraft auf die Wandertafeln zu schauen.

Der Pfad führte durch einen Bergbach. Bestimmt hätte man ihn an einer geschickteren Stelle überqueren können, doch war mir das wurscht. Mit zwei nassen Schuhen ging es über teils felsige und teils bemosste Abschnitte zum höchsten Punkt des Laufs.
Ein wunderschöner Alpsee in herrlicher Bergumgebung waren der Preis für die bisherige Anstrengung. Die Halbzeitverpflegung ließen wir uns hier auch noch schmecken.

Ich dachte mir: „jetzt waren wir ja ganz oben, dann kann es doch nur noch bergab gehen.“ Doch weit gefehlt – trotzdem, dass wir am obersten Punkt waren gab es auf dem Weg ins Ziel noch viele kleinere und längere Anstiege. Sie wurden mit jedem Kilometer an Strecke auch anstrengender.
„jetzt waren wir ja ganz oben, dann kann es doch nur noch bergab gehen.“
Auf dem Weg nach unten ins Ziel kamen wir an der Halbmarathonmarke vorbei. Jeder Laufschritt ab jetzt ist weiter als ich je gerannt war.

Schritt für Schritt kamen wir dem Ziel in St. Anton immer näher. Bei Km 27 der letzte Verpflegungsstand – hier dachten wir, es sind ja nur noch 6 Kilometer bis ins Ziel. Leider lagen wir falsch, doch das wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Den gesamten Lauf über gab es jeden Kilometer ein Schild auf welchem angezeigt wurde bei welchem Kilometer man sich befindet. Bei Kilometer 32 war uns eigentlich klar, als nächstes kommt das Ziel. Doch dieser letzte Kilometer entpuppte sich als falscher Kilometer. Er zog sich ganze drei Kilometer weiter, ohne weitere Hinweisschilder. Vorbei am Marathonziel, zur Sporthalle und nochmal durch das gesamte Dorf. Das war für mich persönlich psychisch sehr belastend, vor allem da der Körper zu diesem Zeitpunkt auch schon am Ende war.
Schlussendlich fanden wir den Zielbogen des T33 (eigentlich T35), im Herzen der Stadt St. Anton, doch noch und konnten gemeinsam die Ziellinie überqueren.

Körperlich und psychisch fertig suchte man nach Schatten und Flüssigkeit. Die netten Helfer des Berglaufs haben einem kalte Wassermelonenstücke gereicht was ein Segen für mich war. Alles was getrunken wurde verdampfte sprichwörtlich noch im Mund bevor es vom Körper aufgenommen werden konnte.
Zusammenfassung
Die Veranstaltung bot eine einzigartige Gelegenheit für mich, meine körperlichen und psychischen Grenzen zu testen. Die beeindruckende Strecke ist es auf jeden Fall wert gelaufen zu werden. Wer fit genug ist um einen Halbmarathon zu laufen und auch den ein oder anderen Höhenmeter auf eine längere Strecke hinbekommt, dem kann ich diesen Lauf nur empfehlen.
Euer Tom
